Nachdem "von Lieben" und "DeForest" nachgewiesen hatten, dass sich mit ihren Röhren Telefonsignale verstärken ließen,
begann die Entwicklung entsprechender Röhren. Diese Entwicklung begann bei Western Electric zunächst für die
Telefongesellschaft AT&T. Später kamen Röhren für das Militär und den Rundfunk hinzu.
In der Entwicklungsphase wurden bei Western Electric zunächst für eine Röhrenserie Buchstaben als Code vergeben. Erst
später, wenn sie in die Serienproduktion gingen, wurden andere Typenbezeichnungen festgelegt. Röhren für die AT&T
hießen "Telephone Repeater Tube", später nur noch "Repeater Tube". Für alle anderen Anwendungen hießen Sie
"Vacuum Tube". Ab 1922 hießen hießen dann alle Röhren, egal für wen und welche Verwendung, nur noch "Vacuum Tube".
Zunächst wurden Versuche mit Röhren durchgeführt, die den Spherical Audions ähnlich waren. Ihre Leistungen waren jedoch
nicht akzeptabel. Dies waren die Typen "A" und "B".
Die erste brauchbare Röhre für die Verwendung im Telefonverstärker wurde 1914 hergestellt. Sie hatte ein Gitter in
Form einer Leiter mit 8 querliegenden Sprossen. Es war die 101-A (Type M = mounted).Kurz darauf folgte 101-B
(Type L = line amplifier). Diese hatte 9 Gittersprossen und einen doppelt so langen Faden.
Bis 1917 stellte man sie Sockel aus massivem Messing auf der Drehbank her. Danach wurden Sie aus pressgeformtem
"Nickel-Silber-Blech" angefertigt. Darin wurde ein Isolierteil mit den Stiften eingebaut und das Ganze mit einem rot-
braunem Wachs aus rotem Eisenoxyd und Schellack vergossen. Die Typenbezeichnung wurde in den Boden eingeprägt.
Man stellte jedoch bald fest, das dieses Material nicht besonders geeignet war. So nahm es z.B. Feuchtigkeit auf,
die den Widerstand zwischen den Stiften und somit den Elektroden veränderte, was sich besonders negativ bei höheren
Frequenzen auswirkte. In die Metallsockel waren die Anmeldedaten von diversen Patenten eingeprägt. So z.B.:
PAT IN USA
1-15-07 TWO PATENTS
2-18-08 4-27-15
12-19-16
PAT. APPLIED FOR
Ende 1919 kam ein weiteres Patent-Datum "12-17-18" hinzu.
Ab Ende 1918 wurde zusätzlich ein Eigentumsvermerkt der AT&T aufgeprägt. Die Röhren wurden nämlich ausschließlich
für AT&T gebaut und von denen an die Betreibergesellschaften der Telefonverstärker verleast. Der Aufdruck sah wie folgt
aus:
Die Gitter- und Anodenkonstruktion der Röhren war an einem Glasstab befestigt, der bis Ende 1918 seitlich
am Quetschfuß angeschweißt war. Da er jedoch häufig an der Schweißstelle abbrach, wurde er etwas länger und dicker
hergestellt und weiter unterhalb des Quetschfußes angeschweißt.
Gleichzeitig erweiterte man die Zahl der Gitterstäbe
von 8 auf 11 und die bis dahin flachen Anodenbleche wurden an den Rändern zur Versteifung etwa 1mm umgebogen.
Anfang 1915 folgte dann die 102-A mit 31 Gittersprossen auf jeder Seite und einem V-förmigen Faden.
Die Gitterflächen waren deutlich größer als die Flächen der Anoden. Alle frühen
Western Electric "Repeater Bulbs" wurden zunächst bis 1918 in New York hergestellt. Als der Bedarf größer wurde
hat man sie auch in Hawthorne Chicago produziert. Diese hatten vor der Seriennummer ein "H". Man konnte sie aber auch
von den in New York hergestellten unterscheiden, denn sie hatten die
Gittersprossen auf der Innenseite der Holme angebracht,
während die in New York hergestellten die Sprossen zur Anodenseite hin angeschweißt hatten.
Produktion New
York
Produktion Hawthorne
1917 kam dann eine weitere Röhre, die 104-A aus New York in den Repeatern zur Anwendung. Sie hatte 9 Gittersprossen
und einen M-förmigen Heizfaden. Ursprünglich hatte sie 2 Glasstäbe, je einen für jede Gitter/Anoden-Einheit,
später jedoch nur noch einen.
Mit dem ersten Weltkrieg (WW I) gab es auch beim Militär eine große Nachfrage nach stabilen und zuverlässigen Röhren.
Die bedeutendsten Entwicklungen für das "Signal Corps" waren die bekannten Type VT-1 und VT-2.
VT-1
VT-2
Die gleichen Röhren wurden auch für die Marine produziert, jedoch unter den Bezeichnungen CW-933 und CW-931.
Ähnliche CW-Bezeichnungen gibt es auch noch für weitere Röhren.
Bei der VT-1 wurde erstmals das bis dahin kugelförmige Design verlassen und eine "Tubularform" gewählt.
Die Innenkonstruktion wurde geändert. Gitter und Fäden wurden nun an einem Keramikstück befestigt, das von
beiden Anodenblechen gehalten wird.
Die Anodenbleche wurden wellenförmig profiliert und somit steifer, die Gitter nur noch gestanzt und nicht mehr
aus Drähten geschweißt.
1917 benötigte das "Signal Corps" kleine 5W-Senderöhren. Dies führte zur Entwicklung der VT-2. Wegen der
größeren Leistung und somit größeren Erwärmung wurde die Wachsfüllung durch einen wärmestabilen
Phenolharzeinsatz ersetzt. Die VT-2 wurde später auch unter der Typenbezeichnung und Beschriftung als 205-B vermarktet.
 |
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Wax-Base |
Phenol-Base |
Ein Vorläufer der VT-2 (205-?) war die 202-A. Sie benötigte 500V Anodenspannung und war für Flugzeugsender vorgesehen.
Das "Signal Corps" hielt diese hohe Spannung für zu gefährlich und gab der VT-2 mit 300V
Anodenspannung den Vorzug.
Eine weitere Entwicklung war die 201-A (Navy CW186). Sie hatte 37 Gittersprossen je Seite. Der Sockel hatte auf Wunsch der
"Navy" nur 3 Stifte und ca. 32mm Durchmesser. Der vierte Kontakt wurde vom Bajonett-Metallsockel gebildet.
Die gleiche Röhre wurde auch in den Telefonverstärkern eingesetzt. Sie hieß dann 201-B und hatte dann jedoch einen
Sockel von 34mm Durchmesser und 4 Stifte.
201-A
201-B
Da die Telefonverstärker inzwischen große Leistungen erforderten wurden gleich mehrere hundert Röhren, meist ungesockelt,
parallel zusammengeschaltet. Dies war jedoch wegen der gegenseitigen Beeinflussungen nicht unproblematisch.
In der Endverstärkung kamen 204-B Röhren mit bis zu 600V Anodenspannung zum Einsatz. Als Besonderheit hatte die 204-B
aber auch die 204-A aus "Klimax"- Band hergestellte, wellenförmig gebogene Anoden. Sie waren oben in der Röhre
zusammengefasst.
Die unteren Enden wurden separat aus dem Glaskolben herausgeführt. So konnte man sie während der Evakuierung extern aufheizen und so die im Metall
eingeschlossenen schädlichen Gase besser herausbringen.
Ab 1921 beschäftigte man sich sehr intensiv mit der Reduzierung des Heizstromes bei sonst gleichbleibender Charakteristik.
Ende 1921 wurde dann die 101-B durch eine 101-D ergänzt. Sie war in ihren
Daten der 101-B gleich bis auf den Heizstrom,
der jetzt nicht mehr 1,3A sondern 1,15A betrug. Zur Unterscheidung erhielt die 101-D bis zum Jahre 1924 eine grüne Spitze.
Die 101-B wurde noch bis 1924 produziert. Die erste Produktion der 101-D hatte die Beschriftung auf der Glaskugel.
PAT.IN USA
1-15-07 TWO PATENTS
2-18-08 10-17-16
12-19-16 10-5-20
PATS. APPLIED FOR
Anfang 1922 wurden diese Angaben nicht mehr auf dem Glas, sondern wieder auf dem Sockel angebracht.
Die Type zusätzlich am Sockelboden zwischen den Stiften eingeprägt. Von da an lauteten die Angaben zu den Patenten:
PAT.IN USA
1-15-07 12-27-18
2-18-08 1-27-20
10-17-16 10-5-20
12-19-16
PATS. APPLIED FOR
Ab Anfang 1923 wurden die Röhren nicht mehr an AT&T, sondern direkt an die Telefongesellschaften verkauft. Deshalb
wurde der Eigentumsvermerk "Property of ..." nicht mehr angebracht. Stattdessen kam der Aufdruck "Western Electric
Made in USA".
Ab 1925 wurden die Röhren dann wieder auf dem Glaskolben beschriftet. Der Grund war die Einführung des Kunststoffsockels.
Außerdem wurden die Röhren an immer mehr Anwender verkauft und man wollte eine einheitliche Fertigung durchführen. Kurz
vor dieser Umstellung wurde noch die Getterung mit Magnesium eingeführt um das erforderliche hohe
Vakuum zu erzeugen.
1927 gelang es die 101-D so umzugestalten, dass sie nur noch einen Heizstrom von 0,5A benötigte. Die Anode wurde als Flachzylinder
gebaut und das Gitter gewickelt. Die neue Röhre, die 101-F wurde in neuen Repeatern
eingesetzt, die alte 101-D dennoch als Ersatz für
alte Repeater weiter hergestellt.
1927 änderte sich das US-Patentrecht. Die Hersteller konnten entweder das Datum oder die Patentnummer auf den Röhren
anbringen. So wurden ab 1928 nur mehr die Patentnummern ausgewiesen.
1929 wurde die Magnesium-Getterung der 101-D wieder eingestellt. Es gab weitere kleine Veränderungen und die Typenangabe
wurde in den Kunststoff eingeprägt, während die Patentangaben auf den Versiegelungsstreifen der Verpackung gedruckt wurden.
Die Verringerungen des Heizstromes von 1,6A bei der 101-A bis runter auf 0,5A bei der 101-F bewirkte auch eine Verlängerung
der Lebensdauer von 400h auf 40.000h bei der 104-D.
Röhren, die nicht in Repeatern zur Anwendung kamen, erhielten in der Folge neue Bezeichnungen obwohl es sich um die gekannten
Typen für die Repeater handelte. So wurde die
101-D zur 208-A
102-D zur 209-A
104-D zur 210-A
Die höheren Nummern werden in einem separaten Kapitel behandelt!
Es gibt noch weitere Typen, die in England und Australien von "Standard Telephone & Cables" hergestellt wurden.
z.B. 4101-D, die der 101-D entspricht. Wenn sie in Australien hergestellt wurde hatte sie die
Bezeichnung SY4101-D.